
Elisabeth (Schönbrunn-Version)
Alte Oper, Frankfurt am Main
Elisabeth Der Tod Lucheni Kaiser Franz Joseph Sophie Erzherzog Rudolf Herzogin Ludovika / Frau Wolf Herzog Max in Bayern Kleiner Rudolf |
Kristine Emde Lukas Mayer Nicolas Boris Christahl Lander Van Nuffelen Ariane Swoboda Dennis Hupka Janis von Dorsselaer Claus Dam Valentin |
Vollständige Besetzung
Zum ersten Mal reisten wir nach Frankfurt, wo das Musical Elisabeth auf seiner Tournee Station machte, und wir quartierten uns dort auch gleich in einem Hotel ein. Zu Fuß marschierten wir durch die kalte Januarnacht und sahen auch schon bald unser Ziel vor uns – groß und hell erleuchtet: Die Alte Oper.
Die Vorstellung fand im Großen Saal statt und dieser war auch so gut wie ausverkauft. In dieser halbszenischen Aufführung saß das Orchester auf der Bühne und mitten durch sie hindurch führte eine Treppe, auf der ein großer beleuchteter rechteckiger Rahmen stand. An diesem hingen abwechselnd eine Schaukel, ein Schild oder ein Darsteller. Im Hintergrund wurden verschiedene Bilder an die Rückwand projiziert: Das Elisabeth-Logo auf einem Fächer und historische Bilder aus der Kaiserzeit. Das war es dann auch schon mit dem Bühnenbild. Aber mehr brauchte es auch nicht, denn das Stück wurde neben dem Orchester voll und ganz von den großartigen Darstellern getragen.
Die Geschichte begann mit Luigi Lucheni, der wegen Mordes an der Kaiserin Elisabeth angeklagt wurde. Er machte seine Aussage vor Gericht und ließ dabei das untergegangene Habsburgerreich wieder auferstehen. Nicolas Boris Christahl war in seiner Rolle sehr präsent und verlieh ihr einen italienischen Charme. Gleichzeitig brachte er seine ironischen Bemerkungen auf den Punkt und lud beim Lied "Kitsch" sogar die Zuschauer zum Mitklatschen ein. Während das ganze Musical auf der Bühne stattfand, war er der Einzige, der auch mal durch den Zuschauerraum kam. Bitte mehr davon!
Claus Dam gab Herzog Max in Bayern, Elisabeths Vater, als gütigen und verständnisvollen Mann. Er zeigte jedoch wenig Begeisterung für die Hochzeit seiner Tochter mit dem Kaiser, und er gab seiner Schwägerin Sophie die Schuld daran. Dabei wurde er sogar etwas aufbrausend; und er setzte seinen Charakter toll um.
Janis von Dorsselaer spielte neben Elisabeths Mutter, Herzogin Ludovika, auch die Inhaberin des Bordells, Frau Wolf. In beiden Rollen glänzte sie mit ihrem schönen Gesang und ihrer Bühnenpräsenz.
Ebenfalls eine schöne Stimme hatte Ariane Swoboda als des Kaisers Mutter, Erzherzogin Sophie – zumindest, wenn sie tief sang. In den Höhen jedoch, begann sie ab und zu, etwas zu quietschen. Doch sie überzeugte als großartige Schauspielerin und äußerst strenge und intrigante Charaktere, der kein Lächeln über die Lippen huschte.
Ganz besonders beeindruckend war Valentin, der den kleinen Rudolf verkörperte. Er war wirklich noch sehr klein, aber er sang und spielte wie ein Großer. Bei einer Choreografie ganz am Anfang mit vielen Armbewegungen war er absolut synchron mit dem Ensemble, und später sang er ein klasse Solo – und saß dabei sogar auf den Schultern des Todes. Als er dann beim Schlussapplaus an der Hand des erwachsenen Rudolfs die Bühne betrat, bekam er natürlich den größten Beifall.
Der erwachsene Kronprinz Rudolf wiederum, war ebenfalls super besetzt. Dennis Hupka hatte eine tolle Ausstrahlung und eine ebenso tolle Stimme. Er lieferte sich ein grandioses und mitreißendes Duett mit Lukas Mayer bei "Die Schatten werden länger", und er konnte auch sonst mit viel Talent in dieser Rolle glänzen.
Franz Joseph ist per se keine starke Charaktere, da der Kaiser sehr unter dem Einfluss seiner Mutter stand. Dennoch verlieh Lander Van Nuffelen der Rolle viel Ausdruck und er harmonierte sehr gut mit Elisabeth. Das Duett der beiden, "Boote in der Nacht", war ein wunderschönes Highlight.
Kristine Emde brillierte in der Titelrolle und zeigte alle Facetten von Elisabeth. Ihre Stimme war etwas dunkler und passte deshalb besser zu der älteren Kaiserin, aber auch als junge Sissi machte sie eine gute Figur. Einmal stahl sie sogar den Taktstock des Dirigenten und fing an, das Orchester zu dirigieren. Sie war frech und charismatisch, und später vor allem eine starke und präsente Persönlichkeit. Sie überzeugte sowohl in ihren Solo-Liedern als auch in ihren Duetten mit dem Tod und den anderen Charakteren.
Während der Tod in früheren Inszenierungen immer schwarz getragen hatte, war er diesmal in weiß gekleidet und hatte blonde Locken. Außerdem war Lukas Mayer der größte aller Hauptdarsteller – nicht nur körperlich, sondern auch, was das Talent anging. Er stach besonders durch seine warme und weiche Stimme hervor, mit der er die ohnehin schon sehr schönen Lieder noch viel schöner machte. Und mit seinen eleganten Bewegungen verlieh er der Figur viel Ausdruck und Tiefe. Aber das war ja klar – wenn jemand "Mayer" hieß, dann konnte es nur super werden! Allerdings gab es einen kurzen Schreckmoment, als er beim Schlussapplaus singend die Treppe herunter kam und dabei die letzte Stufe nicht richtig erwischte. Doch ein guter Stolperer fällt nicht.
Für diese großartige Vorstellung gab es vollkommen zu Recht Standing Ovations und die Darsteller verabschiedeten sich unter großem Jubel des Publikums.
Nach einem kurzen Aufenthalt im Foyer, machten wir uns schließlich auf den Weg zurück ins Hotel. Wir überlegten, noch etwas ins der Hotel-Bar zu trinken, aber diese war bereits rappelvoll. Witzig, der Mann an dem Tisch dort drüben hatte die gleichen blocken Locken wie der Tod, Lukas Mayer. Hm … irgendwie sah er ihm im Gesicht auch ziemlich ähnlich … Und die Leute um ihn herum? Auch irgendwie bekannt. Und dann sahen wir die Crew-Mitglieder mit dem Logo auf ihren Jacken. Das waren die Elisabeth-Darsteller und die Crew! In unserem Hotel! Die hatten sich aber schnell abgeschminkt und umgezogen. top Δ